Welche Chancen und Risiken sind mit dem Ausbau des neuen Mobilfunkstandarts 5G verbunden?

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Welche Chancen und Risiken sind mit dem Ausbau des neuen Mobilfunkstandarts 5G verbunden?

Nachdem die Corona-Pandemie Deutschlands Versäumnisse bei der Digitalisierung in vielen Bereichen deutlich sichtbar werden ließ, betonen Befürworter*innen die wichtige Rolle dieser Technologie für wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt. Gleichzeitig weisen Kritiker*innen auf mögliche Gefahren für die menschliche Gesundheit sowie potentielle Umweltschäden hin. Gerade wegen der Aktualität und Brisanz dieses Themas war es wichtig, dass auch wir als Kreisverband uns damit auf Grundlage wissenschaftlicher Fakten auseinandersetzen. Dazu gab es am 25. Februar 2021 unsere kleine Mitgliederversammlung.

Den Anlass dazu bot ein Antrag von Hans Schmidt aus dem Ortsverband Wolfratshausen. Darin forderte er den Kreisverband auf, sich parteiintern auf Landesebene für eine kritische Debatte zum Thema 5G einzusetzen und dieses Anliegen über die Grüne Fraktion auch in den bayerischen Landtag zu tragen. Der Antrag verwies ausschließlich auf mobilfunkkritische Quellen.

Zu diesem Thema hatten wir zwei sachkundige Referenten eingeladen: Jörn Gutbier von der Initiative Diagnose-Funk e.V. hielt ein kritisches Plädoyer zu 5G. Darin verwies er auf die hohen Grenzwerte für die maximale Bestrahlung in Deutschland, die weit über denen unserer europäischen Nachbarn liegen würden. Doch bereits unterhalb dieser Werte sei eine Wirkung auf das zentrale Nervensystem möglich, welche im Alltag bei manchen Menschen zu kognitiven Störungen führen könnte. Zudem erwähnte er Studien, die auf die Verursachung oxidativen Stresses durch hochfrequente Strahlung hindeuten. Dieser Mechanismus könne zu Zellschäden führen und begünstige die Entwicklung verschiedener Krebsarten. Abschließend plädierte Jörn für eine effektive Nutzung der bestehenden Technologie statt eines weiteren 5G-Ausbaus.

Eine andere Sichtweise vertrat unser zweiter Referent Benjamin Adjei. Er ist Sprecher für Digitalisierung der grünen Landtagsfraktion und Befürworter eines Ausbaus von 5G. Zunächst verwies Benjamin auf die wissenschaftliche Faktenlage, wonach über 90% aller Untersuchungen die Ungefährlichkeit von Mobilfunk inklusive der fünften Generation belegen. Dazu zitierte er renommierte Institutionen wie die Max-Planck-, sowie die Fraunhofer-Gesellschaft. Auch die von Jörn herangeführten Studien würden einem wissenschaftlichen Peer-Review nicht standhalten. Zuletzt betonte er die die Bedeutung für die Wirtschaft der Zukunft. Als Beispiele dienten dabei das autonome Fahren und der klimaneutrale Umbau der Industrie.

Auch in der anschließenden Diskussion wurde die Frage nach der Wissenschaftlichkeit mobilfunkkritischer Studien kontrovers diskutiert. Dabei wurde die Bedeutung von 5G für die Digitalisierung von Wirtschaft und Bildung betont: Deutschland verspiele Innovation und Wirtschaftskraft, wenn der Ausbau von schnellem Internet weiterhin verlangsamt und blockiert werde. Auf Dauer ginge diese Fortschrittsfeindlichkeit auf Kosten der Lebenschancen junger Menschen.

In seinem abschließenden Statement verwies der Antragssteller Hans Schmidt nochmal auf die Notwendigkeit einer kritischen Diskussion über das Thema. Dabei sei das Ziel nicht die Abschaffung des Mobilfunks, sondern seine gesundheitsschonende Gestaltung. Er betonte, dass die Grünen niemals eine Partei der Obrigkeitshörigkeit waren und deshalb in dieser Frage nicht ausschließlich auf die Angaben staatlicher Stellen vertrauen sollten. „Vertrauen und Glaube sind gut, Kontrolle und Wissen besser“, so fasste er seine Position pointiert zusammen. 

In der anschließenden Abstimmung lehnte eine Mehrheit der Mitglieder den Antrag ab. 15 der Anwesenden stimmten dafür, 24 dagegen, es gab zwei Enthaltungen.

Am 25. März findet online die Aufstellung des Direktkandidaten für den Bundestag in unserem Wahlkreis statt. Wir werden diese gemeinsam mit dem Kreisverband Miesbach veranstalten.

Beitrag: Marius Schlosser (Beisitzer)


 



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